Sportprofil
Training verbraucht mehr als Kalorien. Muskelaufbau braucht Aminosäuren als Baumaterial, Mineralstoffe für die Kontraktion und Cofaktoren für die Energiegewinnung in den Mitochondrien. Das Sportprofil misst, was davon vorhanden ist.
Wer trainiert und nicht vorankommt, hat nicht zwangsläufig zu wenig trainiert. Manchmal fehlt ein Baustein — und das lässt sich messen statt raten.
Was hier gemessen wird
Kapillarblut
Kapillarblut
Kapillarblut
Urin
Kapillarblut
Urin
KapillarblutWas der Muskel braucht, um zu arbeiten
Vom Nervenimpuls bis zur neuen Muskelfaser sind es fünf Schritte. Jeder Schritt hat einen eigenen Stoffbedarf. Fehlt dort etwas, bricht nicht die Kette — sie läuft langsamer.
Vereinfachte Darstellung der Abläufe in der Skelettmuskulatur. Die genannten Stoffe sind Cofaktoren und Bausteine dieser Schritte, keine Wirkversprechen.
NAD, Q10 und Tryptophan — die Energieachse
NAD ist das Coenzym, über das jede Zelle Elektronen in die Atmungskette schickt. Q10 transportiert sie dort weiter. Beides zusammen bestimmt, wie viel ATP am Ende herauskommt — und beides fällt mit dem Alter.
Der Recyclingweg über NAMPT deckt den größten Teil des Bedarfs. Der Neubau aus Tryptophan ist der langsamste Weg — und derselbe, der bei Entzündung anders abläuft.
Q10 sitzt zwischen Komplex I und III der Atmungskette. Ohne NAD kommen keine Elektronen an, ohne Q10 werden sie nicht weitergegeben. Deshalb wird beides zusammen betrachtet, nicht einzeln.
Ein Rohstoff, drei Richtungen — und Training stellt die Weiche
Über 90 Prozent des Tryptophans gehen in den Kynurenin-Weg, nicht in die Serotoninbildung. Wohin der Kynurenin-Weg führt, hängt unter anderem vom Trainingszustand des Muskels ab.
Vereinfachte Darstellung. Die Anteile stehen als Text an den Ästen, weil sie sich stark unterscheiden — eine maßstabsgetreue Grafik wäre nicht lesbar.
Die Weiche am Ende der Glykolyse
Pyruvat ist das Endprodukt des Zuckerabbaus. Von hier gibt es zwei Richtungen: in das Mitochondrium hinein oder zu Laktat. Welche Richtung überwiegt, sagt etwas darüber, wie gut die Zelle Sauerstoff nutzt — und genau das ist der Grund, warum beide Werte zusammen bestimmt werden.
Diese Zahlen stammen aus Blutbestimmungen und lassen sich nicht auf einen Urinbefund übertragen. Es sind Orientierungswerte aus der Literatur, keine Referenzbereiche — verbindlich ist immer der Bereich, den das Labor auf dem Befund ausweist. Ein Quotient über etwa 25 gilt in der Fachliteratur als Hinweis auf eine Störung der Atmungskette, ein normaler Quotient bei erhöhtem Laktat und Pyruvat dagegen auf eine Störung davor.
Laktat und Pyruvat gehören zu den organischen Säuren und stehen im Organische-Säuren-Profil, zusammen mit den Zwischenprodukten des Citratzyklus und rund zwanzig weiteren Markern. Urin ist für diese Stoffe die geeignetere Probe: Sie lassen sich daraus leichter gewinnen als aus Plasma.
Die Bestimmung im Blut hat dagegen eine bekannte Schwäche, und sie liegt vor dem Labor: Für den Quotienten braucht es zwei getrennt gewonnene und getrennt verarbeitete Probenarten. Dazu kommt, dass Laktat schon durch Stauung und Faustschluss bei der Entnahme steigt, dass Pyruvat instabil ist und dass die Haltbarkeit selbst gekühlt bei etwa zwei Tagen liegt. Auffällige Blutwerte gehen deshalb häufig auf die Probengewinnung zurück und nicht auf den Stoffwechsel.
Grenze, die dazugehört: Die meisten dieser Marker sind unspezifisch. Sie zeigen, an welcher Stelle es sich lohnt genauer hinzusehen — eine Diagnose stellen sie nicht, und sie werden im Zusammenhang mit den übrigen Werten des Profils gelesen.
Organische Säuren ansehenDer Zuwachs entsteht in der Pause
Training setzt den Reiz, der Aufbau folgt danach. Kommt der nächste Reiz zu früh oder fehlt Material, addieren sich die Belastungen statt der Zuwächse.
Schematische Darstellung des Superkompensationsmodells, keine gemessenen Leistungswerte.
Woher die Zahlen stammen
- de Guia RM et al., Aerobic and resistance exercise training reverses age-dependent decline in NAD+ salvage capacity in human skeletal muscle, Physiological Reports 2019.
- Janssens GE et al., Healthy aging and muscle function are positively associated with NAD+ abundance in humans, Nature Aging 2022.
- Chubanava S, Treebak JT, Regular exercise effectively protects against the aging-associated decline in skeletal muscle NAD content, Free Radical Biology and Medicine 2023.
- Agudelo LZ et al., Skeletal Muscle PGC-1α1 Modulates Kynurenine Metabolism, Cell 2014, und Nature Communications 2019.
- Kynurenine connection: how exercise shifts muscle tryptophan metabolism, American Journal of Physiology – Cell Physiology 2020.
- Kreider RB et al., ISSN position stand: safety and efficacy of creatine supplementation, Journal of the ISSN 2017.
- Jäger R et al., ISSN Position Stand: Protein and Exercise, 2018; Morton RW et al., British Journal of Sports Medicine 2018.
- Damas F et al., A review of resistance training-induced changes in skeletal muscle protein synthesis, Sports Medicine 2015.
- Robert Koch-Institut, Vitamin-D-Status in Deutschland, DEGS1.
- Lactate and pyruvate as inborn errors of metabolism screening markers, Discover Applied Sciences 2025.
- Mayo Clinic Laboratories, Testbeschreibung Pyruvic Acid, Blood; Lactate Pyruvate Panel, Plasma.
- Lactate and Lactate:Pyruvate Ratio in the Diagnosis and Outcomes of Pediatric Acute Liver Failure, PMC 2017.
Was heißt NAD und warum wird es hier gemessen?
NAD ist ein Coenzym, über das Nährstoffe ihre Elektronen in die Atmungskette abgeben. Ohne NAD entsteht kein ATP. Im Muskel gehört es zu den Stoffen, die mit dem Alter am deutlichsten abnehmen.
Direkt bestimmt wird NAD in der Routinediagnostik selten. Messbar sind die Bausteine und Cofaktoren des Wegs — Vitamin B3, Vitamin B6, Tryptophan und Kynurenin — und daraus lässt sich die Lage einordnen.
Wie hängen Q10 und NAD zusammen?
Beide sitzen in derselben Kette. NAD bringt die Elektronen zu Komplex I, Q10 transportiert sie von dort zu Komplex III. Fehlt eines von beiden, stockt die Energiegewinnung an einer anderen Stelle derselben Kette.
Q10 wird körpereigen gebildet, die Bildung nimmt mit dem Alter ab. Statine hemmen denselben Syntheseweg, über den Q10 entsteht — das ist bei der Einordnung eines Werts relevant.
Kann ich Laktat und Pyruvat messen lassen?
Ja. Beide stehen im Organische-Säuren-Profil und werden aus einer Urinprobe zu Hause bestimmt — zusammen mit den Zwischenprodukten des Citratzyklus und rund zwanzig weiteren Markern. Für diese Stoffe ist Urin die geeignetere Probe; sie lassen sich daraus leichter gewinnen als aus Plasma.
Die Bestimmung im Blut ist der schwierigere Weg: Der Quotient braucht zwei getrennt gewonnene Probenarten, Laktat steigt schon durch Stauung bei der Entnahme, Pyruvat ist instabil und selbst gekühlt nur etwa zwei Tage haltbar. Und noch etwas: Beim Stufentest wird Laktat unter Belastung gemessen, um Trainingsbereiche festzulegen — das ist eine andere Frage als der Ruhestoffwechsel, um den es hier geht.
Wann sollte ich messen?
Nicht am Tag nach einer harten Einheit. Belastung verschiebt mehrere Werte für ein bis drei Tage, darunter Entzündungsmarker und Eisenparameter.
Zwei bis drei Tage lockeres Training oder Pause vor der Probe geben ein Bild, das den Alltag zeigt und nicht den Ausnahmezustand.
Ersetzt das eine Leistungsdiagnostik?
Nein, es beantwortet eine andere Frage. Die Leistungsdiagnostik misst, was der Körper unter Belastung leistet. Diese Analysen messen, welches Material dafür zur Verfügung steht.
Beides ergänzt sich. Was ein einzelner Wert für dich bedeutet, sagt dir eine Heilpraktikerin oder eine Ärztin.
Alle Angaben auf dieser Seite sind Studienergebnisse und beschreiben Gruppen, nicht Einzelfälle. Was ein Wert für dich bedeutet, besprichst du mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Heilpraktikerin — oder mit unserem Experten-Netzwerk in deiner Nähe.
