Immunsystem und Infektionen
Der größte Teil des Immunsystems sitzt an der Darmwand. Dort entscheidet sich, was aufgenommen und was abgewehrt wird — und diese Entscheidung hängt an einer Schleimschicht, einer Zellschicht mit dichten Verbindungen und dem Antikörper sIgA.
Deshalb messen wir hier nicht nur Nährstoffe im Blut, sondern die Barriere selbst: sIgA, Zonulin, Calprotectin — und die Cofaktoren, ohne die die Abwehr nicht arbeitet.
Was hier gemessen wird
Stuhl
Stuhl
Stuhl und Blut
Kapillarblut
Kapillarblut
Speichel
StuhlVier Schichten entscheiden über Toleranz oder Abwehr
Zwischen dem Darminhalt und dem Blut liegen wenige Mikrometer: Schleim, sIgA, eine Zellschicht mit dichten Verbindungen und dahinter das darmassoziierte Immunsystem. Diese Anordnung steuert das Gleichgewicht zwischen Toleranz und Immunantwort gegenüber fremden Stoffen.
Zonulin gilt als Marker der Barrierefunktion, wird in der Fachliteratur aber auch kritisch diskutiert — die Nachweismethoden erfassen teils verwandte Proteine. Wir nennen den Wert deshalb im Zusammenhang mit den übrigen Markern, nicht als Einzelbefund.
Wie aus Belastung eine Abwehrschwäche wird
Kurzer Stress mobilisiert die Abwehr. Anhaltender Stress verschiebt sie: die Zellen reagieren weniger empfindlich auf Cortisol, entzündliche Signale bleiben oben, sIgA an der Schleimhaut sinkt. Das ist der in der Literatur beschriebene Weg, auf dem aus Belastung häufigere Infekte werden.
Woran die Abwehr hängt
Zu jedem Nährstoff hier gibt es eine von der Europäischen Kommission zugelassene Angabe zur normalen Funktion des Immunsystems. Das ist keine Aussage darüber, dass eine Ergänzung Infekte verhindert. Bei jedem steht außerdem, ob und womit wir ihn messen können.
Ob und in welcher Menge eine Ergänzung für dich infrage kommt, besprichst du nach dem Befund mit einem Behandler. Zink und Selen sind in hoher Dosis nicht unbedenklich — die Obergrenzen sind niedriger, als viele annehmen.
- Fasano A, Zonulin and Its Regulation of Intestinal Barrier Function, Physiological Reviews 2011.
- Secretory IgA in Intestinal Mucosal Secretions as an Adaptive Barrier against Microbial Cells, PMC 2020.
- Secretory IgA's Complex Roles in Immunity and Mucosal Homeostasis in the Gut, PMC 2013.
- Evaluating Prophylactic Effect of Bovine Colostrum on Intestinal Barrier Function, PMC 2023 — Übersicht zur Barriere als einzelne Zellschicht.
- Segerstrom SC, Miller GE, Psychological stress and the human immune system: a meta-analytic study of 30 years of inquiry, Psychological Bulletin 2004.
- Cohen S et al., Chronic stress, glucocorticoid receptor resistance, inflammation, and disease risk, PNAS 2012.
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 mit der Liste zugelassener gesundheitsbezogener Angaben.
Häufige Fragen
Warum wird bei Immunfragen der Darm untersucht?
Weil dort der größte Teil des Immungewebes liegt und die Entscheidung zwischen Toleranz und Abwehr fällt. Die Barriere ist eine einzige Zellschicht mit Schleim davor und Immunzellen dahinter.
Gemessen wird deshalb nicht nur, ob Nährstoffe vorhanden sind, sondern ob die Schleimhaut ihre Arbeit machen kann: sIgA, Zonulin und Calprotectin aus dem Stuhl.
Ist „Leaky Gut“ eine Diagnose?
Nein. Eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere ist messbar und in der Forschung gut beschrieben, aber sie ist keine eigenständige Krankheit.
Auch Zonulin als Marker wird in der Fachliteratur diskutiert, weil die Nachweismethoden teils verwandte Proteine erfassen. Wir nennen den Wert deshalb im Zusammenhang mit den anderen Markern, nicht als Einzelbefund.
Was hat Histamin mit dem Immunsystem zu tun?
Histamin ist ein Botenstoff, der bei Reizung aus Mastzellen freigesetzt wird. Es kommt zusätzlich aus der Nahrung und wird von manchen Darmbakterien gebildet.
Abgebaut wird es an der Darmwand durch das Enzym Diaminoxidase. Wir messen beide Seiten zusammen: Histamin im Stuhl und die DAO-Aktivität im Blut — also den Stoff und das Enzym, das ihn abbaut. Genau darin liegt der Unterschied zur DAO-Einzelbestimmung, die als alleiniger Nachweis einer Histaminintoleranz in den Leitlinien zu Recht nicht anerkannt ist. Als Paar gelesen und mit dem Beschwerdebild zusammengebracht, zeigen die beiden Werte, an welcher Stelle es klemmt — eine Diagnose stellen sie nicht.
Schwächt Stress die Abwehr?
Kurzer Stress mobilisiert sie, anhaltender verschiebt sie. In einer Metaanalyse über mehr als 300 Studien war chronische Belastung mit gedämpfter Immunfunktion verbunden.
Der beschriebene Mechanismus: Immunzellen reagieren weniger empfindlich auf Cortisol, entzündliche Signale bleiben oben, sIgA an der Schleimhaut sinkt. Deshalb gehört das Cortisol-Tagesprofil hier dazu.
Kann ich mein Immunsystem stärken?
Diese Seite macht dazu keine Aussage. Zugelassen sind Angaben zur normalen Funktion: Vitamin D, Zink, Selen, Vitamin C, Vitamin A und Eisen tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Was in deinem Fall fehlt und ob eine Ergänzung sinnvoll ist, zeigt der Befund und besprichst du mit einem Behandler. Marker, die wir nicht als Selbsttest anbieten, lassen sich in einer Praxis bestimmen — frag unser Expertennetzwerk danach. Bei Fieber, anhaltenden Infekten oder Blut im Stuhl gehört die Abklärung in eine Praxis.
Alle Angaben sind Studienergebnisse und beschreiben Gruppen, nicht Einzelfälle. Bei Fieber, anhaltenden Infekten oder Blut im Stuhl gehört die Abklärung in eine Praxis.
