Du fühlst dich nicht krank, aber auch nicht richtig fit. Vielleicht bist du gerade 40 geworden, ernährst dich seit einiger Zeit vegetarisch oder willst einfach wissen, wo du stehst. Also der Gedanke: Ich will mich mal durchchecken lassen. Aber welche Blutwerte gehören eigentlich dazu?
Dieser Artikel gibt dir einen Überblick: was die Krankenkasse beim Check-up untersucht, welche Werte je nach Alter und Lebenssituation zusätzlich sinnvoll sein können und warum „möglichst viele Werte“ nicht automatisch besser ist.
Auf einen Blick
- Worum es geht: Du willst dich mal durchchecken lassen. Aber welche Blutwerte gehören eigentlich dazu?
- Worauf es ankommt: Lücken entstehen etwa durch die Periode, vegetarische oder vegane Ernährung, das Alter ab 50 oder Medikamente wie Metformin.
- Was du tun kannst: Erst klären, welche Frage du beantworten willst, dann gezielt messen. Bei Beschwerden nicht auf den Check-up warten, sondern ärztlich abklären.
- Was sich messen lässt: Blutfette, Blutzucker, Leber- und Nierenwerte, CRP, TSH, Ferritin, Vitamin B12, Folsäure und Vitamin D.

Was der Check-up 35 der Krankenkasse enthält
Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung, oft „Check-up 35“ genannt. Zwischen 18 und 34 Jahren gibt es sie einmalig. Dazu gehören ein ärztliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung und ab 35 auch Laborwerte. Grundlage ist die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des G-BA; eine Übersicht bietet das Bundesgesundheitsministerium.
Im Blut werden dabei ab 35 die Blutfette (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyceride) und der Blutzucker bestimmt, dazu eine Urinuntersuchung. Einmalig kommt ein Test auf Hepatitis B und C hinzu. Ziel ist vor allem, Herz-Kreislauf-Risiken, Diabetes und Nierenerkrankungen früh zu erkennen.
Was dort in der Regel nicht enthalten ist: Ferritin, Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure, Schilddrüsenwerte oder Mineralstoffe. Diese Werte bestimmt die Praxis, wenn es einen Anlass gibt – oder du lässt sie auf eigene Kosten messen.
Welche Blutwerte sinnvoll sein können: der Überblick
Diese Werte werden häufig besprochen, wenn jemand seinen Gesundheitszustand einschätzen möchte:
- Blutbild: rote und weiße Blutkörperchen, Hämoglobin, Blutplättchen – zeigt zum Beispiel eine Blutarmut oder Entzündung. Wird aus Venenblut in der Praxis bestimmt.
- Blutfette und Blutzucker: Cholesterin, LDL, HDL, Triglyceride, Nüchternzucker oder HbA1c (der Langzeit-Blutzucker).
- Leber- und Nierenwerte: zum Beispiel GPT, GGT und Kreatinin.
- Entzündungswert: CRP oder das empfindlichere hs-CRP.
- Schilddrüse: TSH als Suchwert. Eine Unterfunktion ist häufig und zeigt sich oft mit Müdigkeit, Frieren und Gewichtszunahme (PubMed 28336049).
- Eisenspeicher: Ferritin – möglichst zusammen mit einem Entzündungswert, weil Ferritin bei Entzündungen erhöht sein kann (PubMed 33285139).
- Vitamin B12 und Folsäure: wichtig für Blutbildung und Nerven (PubMed 23301732).
- Vitamin D: besonders im Winterhalbjahr häufig niedrig (PubMed 17634462).
Welche Blutwerte checken lassen – je nach Lebenssituation
Nicht jeder braucht dasselbe. Sinnvoll ist, was zu deiner Situation passt:
Frauen mit Periode, Schwangerschaft oder Kinderwunsch: Eisenmangel ist bei Frauen vor den Wechseljahren besonders häufig, auch ohne Blutarmut (PubMed 33285139). Ferritin ist hier ein wichtiger Wert, dazu Folsäure.
Vegetarische und vegane Ernährung: Vitamin B12 kommt fast nur in tierischen Lebensmitteln vor. Eine Übersichtsarbeit fand bei Menschen mit vegetarischer und besonders mit veganer Ernährung häufig einen B12-Mangel (PubMed 23356638). Auch Eisen, Zink und Jod sind Themen, die man im Blick haben kann.
Ab 50: Mit dem Alter nimmt die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung häufiger ab (PubMed 23301732). Vitamin D wird in der Haut weniger gut gebildet (PubMed 17634462). Blutzucker und Blutfette werden ohnehin wichtiger.
Wenn du dauerhaft Medikamente nimmst: Manche Mittel, etwa Metformin oder Magensäureblocker, können über längere Zeit den B12-Haushalt beeinflussen (PubMed 23301732). Setze ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Bei Beschwerden wie Müdigkeit, Haarausfall oder Konzentrationsproblemen: Dann geht es nicht mehr um Vorsorge, sondern um Abklärung. Dazu gehört zuerst das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Mehr Werte sind nicht automatisch besser
Jeder Laborwert hat einen Referenzbereich, in dem die meisten gesunden Menschen liegen. Wer sehr viele Werte misst, findet statistisch fast immer einen, der knapp außerhalb liegt – ohne dass dahinter etwas Krankhaftes steckt. Das kann unnötige Sorgen und weitere Untersuchungen auslösen.
Deshalb ist die Reihenfolge wichtig: Erst überlegen, welche Frage du beantworten möchtest, dann gezielt messen, dann die Ergebnisse mit Fachleuten einordnen. Ein einzelner Wert ist eine Momentaufnahme, kein Urteil.
Wann du nicht auf einen Check-up warten solltest
Ein Check-up ist für Menschen ohne Beschwerden gedacht. Hast du anhaltende oder neue Beschwerden – etwa ungewollten Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß, Atemnot, Brustschmerzen oder Blut im Stuhl –, dann geh bitte zeitnah zu deiner Ärztin oder deinem Arzt, statt auf eine Vorsorge zu warten.
Blutwerte zu Hause messen: Was bei ORY möglich ist
Einige Werte lassen sich mit einer kleinen Blutprobe aus der Fingerkuppe bestimmen, die du zu Hause abnimmst und an ein Partnerlabor in Deutschland schickst:
- Der OM Vital Bluttest verbindet Blutfette, hs-CRP, TSH, Leber- und Nierenwerte mit Vitamin B12, D, E, Folsäure, Ferritin, Selen und Kupfer. Ein Blutbild ist nicht enthalten.
- Der Vitamincheck Basis konzentriert sich auf Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Vitamin E und Coenzym Q10.
- Prevent 360 bestimmt aus getrocknetem Kapillarblut 75 Werte, darunter Vitamin D, Mineralstoffe, Aminosäuren und den Omega-3-Index.
- Der Gesundheits- & Longevity-Check-up verbindet fünf Labortests, unter anderem Prevent 360, ein Hormonprofil und eine Darmanalyse.
Den Befund erhältst du mit den Referenzbereichen des Labors. Die Besprechung ist enthalten; bei der Einordnung unterstützt dich das ORY-Expertenteam. Bring die Ergebnisse gern auch zu deiner Ärztin oder deinem Arzt mit.
Kurz zusammengefasst
- Der Check-up 35 der Krankenkasse prüft vor allem Blutfette, Blutzucker und Urin.
- Ferritin, B12, Folsäure, Vitamin D und Schilddrüse sind dort meist nicht enthalten.
- Welche Werte sinnvoll sind, hängt von Alter, Ernährung, Medikamenten und Lebenssituation ab.
- Mehr Werte sind nicht automatisch besser – gezielt messen und mit Fachleuten einordnen.
- Bei Beschwerden zuerst ärztlich abklären lassen, nicht auf eine Vorsorge warten.

Häufige Fragen
Welche Blutwerte sollte man regelmäßig checken lassen?
Für Erwachsene ohne Beschwerden sind Blutfette, Blutzucker sowie Leber- und Nierenwerte die Basis, wie sie auch im Check-up 35 vorgesehen sind. Je nach Situation können Ferritin, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D und die Schilddrüse hinzukommen.
Was wird beim Check-up 35 im Blut untersucht?
Blutfette (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyceride) und der Blutzucker, dazu eine Urinuntersuchung und einmalig ein Test auf Hepatitis B und C. Grundlage ist die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des G-BA.
Welche Blutwerte ab 50?
Ab 50 werden Blutzucker und Blutfette wichtiger. Häufig besprochen werden außerdem Vitamin B12, weil die Aufnahme im Alter abnehmen kann, und Vitamin D (PubMed 23301732) (PubMed 17634462).
Welche Blutwerte als Vegetarier oder Veganer checken?
Vor allem Vitamin B12, außerdem Ferritin, Zink und Jod. Ein B12-Mangel ist bei vegetarischer und veganer Ernährung häufig (PubMed 23356638).
Welche Blutwerte sollten Frauen ab 40 checken lassen?
Neben Blutfetten und Blutzucker oft Ferritin, die Schilddrüse und Vitamin D. In den Jahren rund um die Wechseljahre verändern sich außerdem die Hormone; ob deren Messung sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden ab.
Kann man Blutwerte zu Hause testen?
Ja, viele Werte lassen sich aus Kapillarblut von der Fingerkuppe bestimmen, das du selbst abnimmst und an ein Labor schickst. Ein Blutbild wird dagegen in der Praxis aus Venenblut bestimmt.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Er dient der allgemeinen Information. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.
Quellen
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie. g-ba.de/richtlinien/10
- Bundesministerium für Gesundheit. Gesundheits-Check-up. bundesgesundheitsministerium.de/checkup
- Pasricha SR et al. Iron deficiency. Lancet. 2021. PubMed 33285139
- Stabler SP. Vitamin B12 deficiency. N Engl J Med. 2013. PubMed 23301732
- Pawlak R et al. How prevalent is vitamin B12 deficiency among vegetarians? Nutr Rev. 2013. PubMed 23356638
- Holick MF. Vitamin D deficiency. N Engl J Med. 2007. PubMed 17634462
- Chaker L et al. Hypothyroidism. Lancet. 2017. PubMed 28336049

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