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Fachlich geprüft von Yesha Karmeli, Heilpraktiker und Gründer von ORY · Stand 16.10.2026

Nach dem Haarewaschen liegen mehr Haare im Abfluss als früher, in der Bürste sammeln sich ganze Büschel, und der Zopf fühlt sich dünner an. Du warst beim Arzt, Blut wurde abgenommen – und die Antwort lautet: „Ihre Blutwerte sind in Ordnung.“ Aber warum fallen dann die Haare aus?

Haarausfall bei Frauen ist häufig und belastet viele sehr. Dieser Artikel erklärt, welche Formen es gibt, warum Haare oft erst Monate nach dem Auslöser ausfallen, welche Werte bei Haarausfall häufig besprochen werden – und warum „Blutwerte in Ordnung“ nicht immer heißt, dass alle wichtigen Werte gemessen wurden.

Auf einen Blick

  • Worum es geht: Dir fallen mehr Haare aus als früher, aber deine Blutwerte sollen in Ordnung sein. Was steckt dahinter?
  • Mögliche Ursachen: Eine starke Belastung einige Monate vorher, Eisenmangel, eine Schilddrüsenunterfunktion oder anlagebedingter Haarausfall.
  • Was du tun kannst: Etwa drei Monate zurückdenken, Biotin vor der Blutabnahme ansprechen. Kahle Stellen oder Kopfhautbeschwerden hautärztlich abklären lassen.
  • Was sich messen lässt: Ferritin mit einem Entzündungswert, TSH, Vitamin D, Zink, Folsäure, Vitamin B12 und bei Zyklusstörungen die Hormone.

Frau betrachtet ausgefallene Haare in ihrer Haarbürste

Warum Haare oft erst Monate später ausfallen

Jedes Haar durchläuft einen Zyklus. Der Großteil der Kopfhaare befindet sich in der Wachstumsphase, die mehrere Jahre dauert. Ein kleinerer Teil ruht. Nach der Ruhephase von einigen Monaten fällt das alte Haar aus, und ein neues wächst nach (PubMed 28613598).

Erlebt der Körper eine starke Belastung, können plötzlich viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase wechseln. Ausfallen tun sie aber erst einige Monate später. Fachleute sprechen von einem telogenen Effluvium. Typische Auslöser sind eine fieberhafte Erkrankung, eine Operation, die Zeit nach einer Geburt, das Absetzen hormoneller Verhütung, eine Crash-Diät, zu wenig Eiweiß, eine Schilddrüsenunterfunktion, Eisenmangel oder bestimmte Medikamente (PubMed 28613598). Deshalb lohnt es sich, beim Suchen nach der Ursache etwa drei Monate zurückzudenken.

Diese Form ist meist vorübergehend: Wenn der Auslöser vorbei ist, wachsen die Haare wieder nach.

Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen

Eine zweite häufige Form ist der anlagebedingte Haarausfall. Bei Frauen wird das Haar dabei vor allem am Scheitel und Oberkopf langsam lichter, während der Haaransatz an der Stirn meist erhalten bleibt. Die Haarfollikel werden dabei kleiner und bilden dünnere Haare (PubMed 30627618). Diese Form nimmt mit dem Alter zu, besonders nach den Wechseljahren.

Zeigen sich gleichzeitig Zeichen eines Überschusses männlicher Hormone – etwa unregelmäßige Regelblutungen, Akne oder vermehrter Haarwuchs im Gesicht –, sollte das frauenärztlich oder hautärztlich abgeklärt werden (PubMed 30627618). Je früher die Diagnose, desto besser lässt sich ein Fortschreiten aufhalten.

Holzkamm mit Haaren neben Linsen, Kürbiskernen, Spinat und einem Ei

Haarausfall, aber Blutwerte in Ordnung: Was oft nicht gemessen wurde

Wie bei Müdigkeit gilt auch hier: „Blutwerte in Ordnung“ bezieht sich nur auf die Werte, die tatsächlich bestimmt wurden. Diese Werte werden bei Haarausfall häufig besprochen:

  • Ferritin: Es zeigt die Eisenspeicher. Ein Eisenmangel gehört zu den bekannten Auslösern von diffusem Haarausfall (PubMed 28613598). Ob schon ein Ferritin im unteren Normbereich eine Rolle spielt, wird diskutiert; die Studienlage ist nicht einheitlich (PubMed 16635664). Ferritin sollte immer zusammen mit einem Entzündungswert betrachtet werden (PubMed 16635664).
  • Schilddrüse (TSH): Eine Schilddrüsenunterfunktion gehört zu den bekannten Auslösern von Haarausfall (PubMed 28613598).
  • Vitamin D, Zink, Folsäure, Vitamin B12: Sie sind am Haarzyklus beteiligt. Für einen Nutzen von Nahrungsergänzung ohne nachgewiesenen Mangel gibt es aber wenig gute Belege (PubMed 30547302).
  • Hormone: bei Zyklusstörungen oder Anzeichen eines Überschusses männlicher Hormone (PubMed 30627618).

Wichtig: Zu viel kann ebenfalls schaden. Ein Übermaß an Vitamin A oder Selen ist selbst als Ursache von Haarausfall beschrieben (PubMed 30547302) (PubMed 28613598). Hochdosierte Präparate auf gut Glück sind deshalb keine gute Idee.

Biotin vor der Blutabnahme: ein unterschätzter Stolperstein

Viele Haarpräparate enthalten hochdosiertes Biotin. In einer Studie veränderte die Einnahme von 10 mg Biotin am Tag – eine in Präparaten übliche Menge – die Ergebnisse mehrerer Labortests, darunter Schilddrüsenwerte. So können Werte falsch hoch oder falsch niedrig erscheinen (PubMed 28973622). Sag deshalb vor jeder Blutabnahme Bescheid, wenn du Biotin einnimmst, und kläre mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, ob du es vorher pausieren solltest.

Wann du zur Hautärztin oder zum Hautarzt solltest

  • kreisrunde kahle Stellen
  • sehr plötzlicher, starker Haarausfall
  • Rötung, Schuppung, Juckreiz oder Schmerzen der Kopfhaut
  • Haarausfall, der länger als sechs Monate anhält oder deutlich zunimmt
  • Anzeichen eines Hormonungleichgewichts wie unregelmäßige Regel, Akne oder Bartwuchs

Nimmst du Medikamente, die mit Haarausfall in Verbindung stehen könnten, sprich das an. Setze ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Werte selbst messen: Was bei ORY möglich ist

Mit einer kleinen Blutprobe aus der Fingerkuppe, die du zu Hause abnimmst, lassen sich einige der genannten Werte bestimmen:

  • Der OM Vital Bluttest misst unter anderem Ferritin, TSH, hs-CRP, Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure und Selen.
  • Die Vollblutmineralanalyse bestimmt Mineralstoffe wie Zink, Magnesium und Selen im Vollblut.
  • Das Hormonprofil Frau misst im Speichel Östradiol, Progesteron, Testosteron, DHEA und Cortisol.

Die Ergebnisse sind Bausteine, keine Diagnose. Bring sie gern zur Hautärztin, Frauenärztin oder zum Hausarzt mit. Bei der Einordnung unterstützt dich auch das ORY-Expertenteam. Wenn Müdigkeit dazukommt, lies auch unseren Artikel Immer müde, aber die Blutwerte sind ok?

Kurz zusammengefasst

  • Haare fallen oft erst zwei bis drei Monate nach dem Auslöser aus.
  • Häufige Formen sind das vorübergehende telogene Effluvium und der anlagebedingte Haarausfall.
  • Ferritin, Schilddrüse und je nach Situation Hormone werden bei Haarausfall häufig besprochen – sie sind in Routinewerten oft nicht enthalten.
  • Zu viel Vitamin A oder Selen kann selbst Haarausfall verursachen; Biotin kann Laborwerte verfälschen.
  • Kahle Stellen, Kopfhautbeschwerden oder starker, anhaltender Haarausfall gehören hautärztlich abgeklärt.

Frau im ruhigen Beratungsgespräch

Häufige Fragen

Haarausfall bei Frauen, obwohl die Blutwerte in Ordnung sind – woran kann es liegen?

Oft wurden Ferritin, Schilddrüsenwerte oder Hormone nicht bestimmt. Außerdem kann ein Auslöser wie eine Erkrankung, eine Geburt oder starker Stress schon Monate zurückliegen (PubMed 28613598). Auch anlagebedingter Haarausfall zeigt sich nicht im Blut (PubMed 30627618).

Welche Blutwerte sollte man bei Haarausfall bestimmen lassen?

Häufig besprochen werden Blutbild, Ferritin mit einem Entzündungswert, TSH, Vitamin D, Zink und je nach Situation Hormone. Welche für dich sinnvoll sind, hängt von deiner Vorgeschichte ab.

Kann Eisenmangel Haarausfall verursachen?

Ja, Eisenmangel gehört zu den bekannten Auslösern von diffusem Haarausfall (PubMed 28613598). Ab welchem Ferritinwert das eine Rolle spielt, ist nicht eindeutig geklärt (PubMed 16635664).

Wie lange dauert Haarausfall nach Stress oder einer Erkrankung?

Die Haare fallen meist zwei bis drei Monate nach dem Auslöser aus. Ist die Ursache vorbei, wachsen sie in der Regel wieder nach; bis das sichtbar wird, vergehen oft weitere Monate (PubMed 28613598).

Hilft Biotin gegen Haarausfall?

Ein echter Biotinmangel ist selten, und für einen Nutzen ohne Mangel gibt es wenig Belege (PubMed 30547302). Hochdosiertes Biotin kann außerdem Laborwerte wie die Schilddrüsenwerte verfälschen (PubMed 28973622).

Ist Haarausfall in den Wechseljahren normal?

Mit den Wechseljahren nimmt anlagebedingter Haarausfall häufig zu (PubMed 30627618). Trotzdem lohnt es sich, Schilddrüse und Eisenstatus prüfen zu lassen und die Möglichkeiten mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt zu besprechen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Er dient der allgemeinen Information. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.

Quellen

  1. Hughes EC, Saleh D. Telogen Effluvium. StatPearls. 2024. PubMed 28613598
  2. Fabbrocini G et al. Female pattern hair loss: A clinical, pathophysiologic, and therapeutic review. Int J Womens Dermatol. 2018. PubMed 30627618
  3. Trost LB et al. The diagnosis and treatment of iron deficiency and its potential relationship to hair loss. J Am Acad Dermatol. 2006. PubMed 16635664
  4. Almohanna HM et al. The Role of Vitamins and Minerals in Hair Loss: A Review. Dermatol Ther (Heidelb). 2019. PubMed 30547302
  5. Li D et al. Association of Biotin Ingestion With Performance of Hormone and Nonhormone Assays in Healthy Adults. JAMA. 2017. PubMed 28973622