Ein Glas Rotwein, dazu Käse und ein Teller Tomaten mit Salami. Ein schöner Abend – doch kurz danach wird dein Gesicht heiß und rot, der Kopf beginnt zu pochen, die Nase läuft, und der Bauch rumort. Am nächsten Tag wieder alles gut. Beim nächsten Essen dasselbe?
Viele Menschen denken bei solchen Beschwerden an eine Allergie oder an „etwas Falsches gegessen“. Seltener denkt man an Histamin. Dieser Artikel erklärt, welche Anzeichen bei einer Histaminintoleranz beschrieben werden, welche Lebensmittel typische Auslöser sind und wie man sie feststellen kann.
Auf einen Blick
- Worum es geht: Nach Rotwein, Käse oder Salami wird dein Gesicht heiß, der Kopf pocht und der Bauch rumort. Kann Histamin dahinterstecken?
- Mögliche Ursachen: Zu wenig Abbau durch das Enzym DAO, gereifte und fermentierte Lebensmittel, Alkohol und manche Medikamente.
- Was du tun kannst: Andere Ursachen ärztlich ausschließen lassen, ein Tagebuch führen, einige Wochen histaminarm essen und dann schrittweise wieder einführen.
- Was sich messen lässt: Die DAO-Aktivität im Blut und Histamin im Stuhl – als Bausteine für die Einordnung, nicht als alleiniger Nachweis.

Was ist Histamin, und was passiert bei einer Histaminintoleranz?
Histamin ist ein Botenstoff, den der Körper selbst bildet, etwa bei allergischen Reaktionen. Histamin steckt aber auch in vielen Lebensmitteln, vor allem in solchen, die lange reifen oder fermentiert werden. Im Darm wird Histamin aus der Nahrung normalerweise schnell von einem Enzym abgebaut, der Diaminoxidase, kurz DAO (PubMed 17490952).
Bei einer Histaminintoleranz gerät das Gleichgewicht durcheinander: Es kommt mehr Histamin an, als der Körper abbauen kann. Das überschüssige Histamin kann dann Beschwerden auslösen, die einer Allergie ähneln, obwohl keine Allergie vorliegt (PubMed 17490952) (PubMed 38674909).
Histaminintoleranz: Anzeichen und Symptome
Die beschriebenen Beschwerden sind vielfältig und betreffen nicht nur den Bauch (PubMed 17490952) (PubMed 38674909):
- Bauch: Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit
- Kopf: Kopfschmerzen, Migräne-ähnliche Beschwerden
- Haut: Hitzegefühl, Rötung im Gesicht (Flush), Juckreiz, Quaddeln
- Nase und Augen: laufende oder verstopfte Nase, Niesen, tränende Augen
- Kreislauf: Herzklopfen, Schwindel, niedriger Blutdruck
Typisch ist der zeitliche Zusammenhang: Die Beschwerden treten meist innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden nach dem Essen oder Trinken auf. Weil diese Anzeichen aber unspezifisch sind und auch viele andere Ursachen haben können, reichen sie allein nicht für eine Diagnose (PubMed 38674909).
Wichtig: Atemnot, Schwellungen an Lippen, Zunge oder Hals oder ein Kreislaufzusammenbruch nach dem Essen sind ein Notfall. Ruf dann sofort den Notruf 112.
Typische Auslöser: Lebensmittel, Alkohol und Medikamente
Viel Histamin entsteht, wenn Lebensmittel reifen, gären oder lange gelagert werden. Häufig genannte Auslöser sind (PubMed 17490952) (PubMed 32824107):
- lang gereifter Käse wie Parmesan, Bergkäse oder Emmentaler
- Rotwein, Sekt und Bier
- Salami, Rohschinken und andere Rohwürste
- geräucherter oder lange gelagerter Fisch, Fischkonserven
- Sauerkraut und andere fermentierte Lebensmittel
- Tomaten, Spinat und Auberginen
Manche Lebensmittel wie Erdbeeren, Zitrusfrüchte oder Schokolade enthalten selbst wenig Histamin, werden aber als mögliche Auslöser beschrieben, weil sie die Freisetzung von körpereigenem Histamin fördern könnten (PubMed 32824107).
Alkohol kann den Abbau von Histamin zusätzlich bremsen. Deshalb ist die Kombination aus Rotwein und gereiftem Käse ein klassisches Beispiel (PubMed 17490952). Auch einige Medikamente können die DAO hemmen oder Histamin freisetzen (PubMed 17490952). Setze ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab – sprich den Verdacht aber gern an.

Wie kann man eine Histaminintoleranz feststellen?
Hier liegt die eigentliche Schwierigkeit. Die deutsche Leitlinie der Fachgesellschaften für Allergologie hält fest, dass Unverträglichkeiten auf Lebensmittel häufiger vermutet als sicher nachgewiesen werden und dass verlässliche Labortests oft fehlen (PubMed 34651098). Eine Histaminintoleranz lässt sich deshalb nicht mit einem einzelnen Bluttest beweisen oder ausschließen.
Das Vorgehen läuft meist in Schritten (PubMed 34651098):
- Andere Ursachen ausschließen: etwa eine echte Allergie, eine Zöliakie, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder andere Unverträglichkeiten wie Fruktose oder Laktose.
- Ernährungs- und Beschwerdetagebuch: Gibt es ein Muster nach bestimmten Lebensmitteln oder Getränken?
- Histaminarme Ernährung für einige Wochen: möglichst mit ernährungsfachlicher Begleitung. Bessern sich die Beschwerden deutlich?
- Gezieltes Wiedereinführen: Lebensmittel werden schrittweise wieder gegessen, um die persönliche Verträglichkeit herauszufinden. Ziel ist eine möglichst wenig eingeschränkte Ernährung.
Histaminintoleranz und Bluttest: Was Laborwerte aussagen können
Häufig gefragt wird nach einem Bluttest auf Histaminintoleranz. Gemessen werden können zum Beispiel die Aktivität der DAO im Blut oder Histamin im Stuhl. Solche Werte können Bausteine bei der Einordnung sein. Als alleiniger Nachweis ist die DAO-Bestimmung in der deutschen Leitlinie jedoch nicht anerkannt (PubMed 34651098). Ein auffälliger Wert ohne passende Beschwerden sagt wenig, ein unauffälliger Wert schließt die Unverträglichkeit nicht sicher aus.
Bei ORY gibt es zwei Tests für zu Hause, deren Ergebnisse du mit Fachleuten einordnen kannst:
- Die Histamin- und DAO-Analyse misst Histamin im Stuhl und die Aktivität der DAO im Trockenblut.
- Der Histamin-Stuhltest bestimmt die Menge an Histamin im Stuhl.
Wenn deine Beschwerden vor allem den Bauch betreffen, lohnt auch ein Blick auf andere Ursachen wie Fruktose, Laktose oder eine Fehlbesiedlung im Dünndarm. Dazu haben wir einen eigenen Artikel: Blähungen trotz gesunder Ernährung.
Bei der Einordnung deiner Ergebnisse und beim weiteren Vorgehen unterstützt dich das ORY-Expertenteam – oder deine Ärztin, dein Arzt, deine Heilpraktikerin oder dein Heilpraktiker.
Kurz zusammengefasst
- Bei einer Histaminintoleranz kann der Körper Histamin aus der Nahrung nicht ausreichend abbauen.
- Beschrieben werden Beschwerden an Bauch, Kopf, Haut, Nase und Kreislauf, meist kurz nach dem Essen.
- Typische Auslöser sind gereifte und fermentierte Lebensmittel sowie Alkohol, besonders Rotwein.
- Ein einzelner Bluttest kann eine Histaminintoleranz nicht beweisen; die Diagnose erfolgt schrittweise.
- Ein Tagebuch, eine zeitlich begrenzte histaminarme Ernährung und Laborwerte als Bausteine helfen bei der Einordnung.

Häufige Fragen
Was sind die ersten Anzeichen einer Histaminintoleranz?
Häufig beschrieben werden Kopfschmerzen, ein heißes, gerötetes Gesicht, eine laufende Nase, Blähungen oder Durchfall kurz nach histaminreichen Lebensmitteln oder Alkohol (PubMed 17490952). Diese Anzeichen sind aber unspezifisch und können viele Ursachen haben.
Kann man Histaminintoleranz im Blut feststellen?
Nicht allein. Die DAO-Aktivität im Blut kann ein Baustein sein, ist laut deutscher Leitlinie aber kein alleiniger Nachweis (PubMed 34651098). Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Beschwerden, Ausschluss anderer Ursachen und einer begrenzten histaminarmen Ernährung.
Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin?
Vor allem lang gereifter Käse, Rotwein, Sekt, Bier, Rohwurst wie Salami, geräucherter oder lange gelagerter Fisch, Sauerkraut sowie Tomaten und Spinat (PubMed 32824107). Frisch zubereitete, frische Lebensmittel enthalten meist weniger Histamin.
Warum vertrage ich Rotwein nicht?
Rotwein kann Histamin enthalten, und Alkohol kann gleichzeitig den Abbau von Histamin bremsen (PubMed 17490952). Daneben kommen auch andere Bestandteile wie Sulfite infrage. Wenn du regelmäßig mit Beschwerden reagierst, lohnt sich eine Abklärung.
Kann Histamin Blähungen und Durchfall verursachen?
Ja, Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall gehören zu den beschriebenen Beschwerden (PubMed 17490952) (PubMed 38674909). Weil auch Fruktose, Laktose oder eine Fehlbesiedlung im Dünndarm dieselben Beschwerden machen können, sollten diese Ursachen mit bedacht werden.
Wie lange sollte man histaminarm essen?
Meist wird eine histaminarme Ernährung nur für einige Wochen empfohlen, danach werden Lebensmittel schrittweise wieder eingeführt (PubMed 34651098). Eine dauerhaft stark eingeschränkte Ernährung ist nicht das Ziel. Lass dich dabei am besten ernährungsfachlich begleiten.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Er dient der allgemeinen Information. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt. Bei Atemnot oder Schwellungen im Gesicht oder Hals ruf sofort den Notruf 112.
Quellen
- Maintz L, Novak N. Histamine and histamine intolerance. Am J Clin Nutr. 2007. PubMed 17490952
- Comas-Basté O et al. Histamine Intolerance: The Current State of the Art. Biomolecules. 2020. PubMed 32824107
- Reese I et al. Guideline on management of suspected adverse reactions to ingested histamine (DGAKI, GPA, AeDA, SGAI, ÖGAI). Allergol Select. 2021. PubMed 34651098
- Jochum C. Histamine Intolerance: Symptoms, Diagnosis, and Beyond. Nutrients. 2024. PubMed 38674909

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