Östrogenmetaboliten
Östrogen wird über drei konkurrierende Wege abgebaut: den 2-Hydroxylierungsweg, dessen Produkte nur schwach östrogen wirken, den 4-Hydroxylierungsweg, dessen Produkte zu reaktiven Chinonen oxidieren können, die in Labor- und Tierstudien DNA-Addukte bildeten, und den 16α-Hydroxylierungsweg, dessen Produkte weiterhin deutlich östrogen wirken. Das 2OHE1/16αOHE1-Verhältnis wird bei der Beurteilung der Abbauwege mit angesehen. Die COMT methyliert die 2- und 4-OH-Metaboliten und macht sie damit weniger reaktiv; daneben werden ihre Chinone an Glutathion gebunden. Die Metaboliten selbst werden im Urin gemessen; in den ORY-Analysen sind sie derzeit nicht enthalten. Das Frauen-Hormonprofil misst die Ausgangshormone Estradiol und Progesteron im Speichel, der ß-Glucuronidase-Test den Rückweg des Östrogens im Darm.
Wie Östrogenmetaboliten entstehen
Bevor Östron und Östradiol ausgeschieden werden, hängen Cytochrom-P450-Enzyme eine Hydroxygruppe an. Wo sie das tun, entscheidet über die Eigenschaften des Produkts: CYP1A1 und CYP1A2, vor allem in der Leber, bilden 2-Hydroxyöstrogene; CYP1B1, das besonders in Brustdrüse, Gebärmutter und Eierstock vorkommt, bildet 4-Hydroxyöstrogene; CYP3A4 und weitere Enzyme bilden 16α-Hydroxyöstron, aus dem Östriol entstehen kann. Die 2- und 4-Hydroxyformen sind sogenannte Katecholöstrogene. Das Enzym COMT hängt an sie eine Methylgruppe, aus SAMe gespendet, und macht sie damit stabil; anschließend werden die Produkte mit Glucuronsäure oder Sulfat verbunden und über Urin und Galle ausgeschieden. Im Urin lässt sich ablesen, wie sich der Abbau auf die Wege verteilt.
Viel 2-Hydroxyöstron – was bedeutet das für den Östrogenabbau?
2-Hydroxyöstron bindet nur schwach an die Östrogenrezeptoren und löst kaum eigene Östrogenwirkungen aus; nach der Methylierung durch COMT entsteht 2-Methoxyöstradiol, das in Laborstudien das Zellwachstum eher bremste. Überwiegt dieser Weg, wird Östrogen also vorwiegend zu Produkten mit geringer Hormonwirkung abgebaut. Die CYP1A-Enzyme werden durch Stoffe aus Kreuzblütlergemüse, etwa Indol-3-Carbinol, durch Rauchen und durch manche Umweltstoffe vermehrt gebildet, bei verminderter Schilddrüsenfunktion arbeiten sie dagegen in Studien weniger. Ob ein hoher Anteil dieses Weges für sich genommen vor Erkrankungen schützt, haben große Studien nicht einheitlich bestätigt.
Viel 16α- oder 4-Hydroxyöstron – was passiert im Körper?
16α-Hydroxyöstron bindet an den Östrogenrezeptor und hält ihn länger besetzt als Östradiol selbst; es regt deshalb Zellen in Gebärmutter und Brustdrüse weiter zum Wachstum an. Ein Übergewicht dieses Weges bedeutet, dass ein größerer Teil des Östrogens auch nach dem Abbau noch hormonell wirkt. 4-Hydroxyöstrogene wirken ebenfalls östrogen, können aber zusätzlich zu reaktiven Chinonen oxidieren. Diese bildeten in Labor- und Tierstudien Verbindungen mit der DNA, sogenannte Addukte, und setzten reaktive Sauerstoffverbindungen frei. Werden die 4-Hydroxyformen nicht rasch durch COMT methyliert oder ihre Chinone an Glutathion gebunden und vom Enzym NQO1 entschärft, bleiben sie länger reaktiv.
Was bedeutet eine langsame Methylierung der Östrogenmetaboliten?
Wie schnell COMT arbeitet, hängt unter anderem von einer häufigen Genvariante ab: Bei Val158Met steht an Position 158 Methionin statt Valin, das Enzym ist bei Körpertemperatur weniger stabil, und seine Aktivität ist bei zwei Kopien der Variante in Studien deutlich geringer. Zudem braucht COMT SAMe als Methylgruppen-Spender, dessen Bildung von Folat, Vitamin B12 und Vitamin B6 abhängt; das Nebenprodukt S-Adenosylhomocystein bremst COMT. Arbeitet die Methylierung langsamer, bleiben 2- und 4-Hydroxyöstrogene länger unmethyliert, und ein größerer Teil der 4-Hydroxyformen kann zu Chinonen oxidieren. Da COMT auch Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin abbaut, konkurrieren diese Botenstoffe mit den Östrogenmetaboliten um dasselbe Enzym.
Die Einordnung steht in deinem Befund.
Auch bekannt als: estrogen metabolites, 2ohe1, 16alpha-ohe1, östrogenratio, comt östrogen
Zusammenhänge, in denen dieser Wert bestimmt wird
- Östrogenüberschuss (Östrogendominanz)
- PMS
- Brustschmerzen
- Zyklusstörungen
Analysen, die diesen Wert enthalten
Diesen Wert im Biomarker-Nachschlagewerk nachlesen → Dort stehen Zusammenhänge und Kaskaden. Hier steht, in welcher Analyse der Wert enthalten ist.
Referenzbereiche und die Einordnung deines persönlichen Werts stehen in deinem Befund. Die Besprechung führst du mit einer Heilpraktikerin oder einer Ärztin aus dem ORY Experten-Netzwerk.
