Mikrosporidien (Enterocytozoon, Encephalitozoon)
Mikrosporidien (auch Microsporidien) sind sehr kleine, sporenbildende Erreger, die nur im Inneren von Zellen überleben können; sie gehören in die Verwandtschaft der Pilze. Beim Menschen kommen im Darm vor allem Enterocytozoon bieneusi und Encephalitozoon intestinalis vor, seltener weitere Encephalitozoon-Arten. Nachgewiesen werden sie im Stuhl per PCR, die das Erbgut von Enterocytozoon und Encephalitozoon erfasst; im Mikroskop sind die nur wenige Tausendstel Millimeter großen Sporen schwer zu erkennen. Die Analyse ist zusammen mit den Würmern Teil des Profils „Würmer, Microsporidien“. Andere einzellige Darmparasiten wie Giardia oder Cryptosporidium haben eigene Seiten.
Wie Mikrosporidien Darmzellen befallen
Die Sporen werden über verunreinigtes Wasser, Lebensmittel oder Kontakt mit Menschen und Tieren aufgenommen. Im Darm stülpen sie einen aufgerollten Polschlauch aus, durchstechen damit die Membran einer Darmzelle und spritzen ihren Inhalt direkt in die Zelle. Dort vermehrt sich der Erreger, nutzt die Energie der Wirtszelle und bildet neue Sporen, die beim Absterben der Zelle frei werden und mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Enterocytozoon bieneusi bleibt überwiegend in den Zellen der Dünndarmzotten und der Gallenwege. Encephalitozoon intestinalis kann darüber hinaus in Abwehrzellen gelangen und sich bei geschwächter Abwehr in andere Organe wie die Nieren ausbreiten.
Was passiert, wenn Mikrosporidien den Darm besiedeln?
Befallene Zellen der Dünndarmzotten gehen zugrunde, die Zotten werden kürzer, und die Aufnahmefläche für Nährstoffe schrumpft. Es entsteht wässriger Durchfall, oft mit Blähungen und Bauchschmerzen; Fett und Zucker werden schlechter aufgenommen, was zu Gewichtsverlust führen kann. Wie stark das ausfällt, hängt fast ganz von der Abwehrlage ab. Bei Menschen mit intaktem Immunsystem verläuft eine Infektion meist ohne Beschwerden oder als vorübergehender Durchfall, etwa nach Reisen. Bei deutlich geschwächter Abwehr – zum Beispiel bei fortgeschrittener HIV-Infektion oder nach einer Organtransplantation – kann der Durchfall chronisch werden und Gallenwege oder andere Organe einbeziehen.
Wie das Immunsystem Mikrosporidien in Schach hält
Weil Mikrosporidien im Zellinneren leben, richten Antikörper allein wenig aus. Entscheidend sind T-Zellen: Zytotoxische T-Zellen erkennen und beseitigen befallene Zellen, und Helferzellen schütten Interferon-γ aus, das weitere Abwehrzellen aktiviert. Fehlen diese T-Zellen, kann sich der Erreger ungehindert vermehren – deshalb wurden Mikrosporidien als Durchfallerreger zuerst bei Menschen mit AIDS beschrieben. Untersuchungen auf Antikörper deuten darauf hin, dass auch gesunde Menschen Kontakt mit Mikrosporidien hatten, ohne es zu bemerken. Ein Nachweis bei Menschen ohne Abwehrschwäche wird deshalb immer zusammen mit den Beschwerden betrachtet.
Kein Nachweis von Mikrosporidien – was bedeutet das?
Ohne Nachweis in der PCR ist eine Darminfektion mit Enterocytozoon oder Encephalitozoon wenig wahrscheinlich. Weil die Sporen nicht gleichmäßig ausgeschieden werden, kann eine geringe Besiedlung in einer einzelnen Probe dennoch unentdeckt bleiben. Für anhaltenden wässrigen Durchfall kommen viele andere Ursachen in Frage, etwa andere einzellige Parasiten wie Giardia und Cryptosporidium, Würmer, bakterielle oder virale Darmerreger und nicht-infektiöse Ursachen wie Unverträglichkeiten oder Entzündungen der Darmschleimhaut.
Die Einordnung steht in deinem Befund.
Auch bekannt als: mikrosporidien, microsporidien, microsporidia, enterocytozoon bieneusi, encephalitozoon
Zusammenhänge, in denen dieser Wert bestimmt wird
- Wässriger Durchfall
- Gewichtsverlust
- Bauchschmerzen
- Blähungen
- Durchfall nach Reisen
- Geschwächtes Immunsystem
Analysen, die diesen Wert enthalten
Referenzbereiche und die Einordnung deines persönlichen Werts stehen in deinem Befund. Die Besprechung führst du mit einer Heilpraktikerin oder einer Ärztin aus dem ORY Experten-Netzwerk.
