Tryptophan
Tryptophan ist eine essenzielle Aminosäure und Vorläufer für Serotonin, Melatonin und Niacin (B3). Bei chronischer Entzündung wird Tryptophan durch das Enzym IDO (Indolamin-2,3-Dioxygenase) in die Kynurenin-Route umgeleitet – weniger Serotonin, mehr potenziell neurotoxische Kynurenin-Metabolite. Die IDO-Aktivität lässt sich im Prevent 360 über das Verhältnis von Kynurenin zu Tryptophan abschätzen.
Was Tryptophan im Körper macht
Tryptophan ist die seltenste unentbehrliche Aminosäure in Nahrungseiweißen. Im Blut ist es zum großen Teil an Albumin gebunden; nur der freie Anteil konkurriert an der Blut-Hirn-Schranke mit den verzweigtkettigen Aminosäuren, Tyrosin und Phenylalanin um den Transport ins Gehirn. Es wird auf drei Wegen weiterverarbeitet: Ein kleiner Teil wird mit BH4, Eisen und Vitamin B6 zu Serotonin und nachts in der Zirbeldrüse zu Melatonin. Der größte Teil läuft über den Kynurenin-Weg: In der Leber startet ihn das Enzym TDO, das von Cortisol und viel Tryptophan angeregt wird; in Abwehrzellen das Enzym IDO, das Entzündungsbotenstoffe wie Interferon-gamma einschalten. Aus Kynurenin entstehen die am NMDA-Rezeptor dämpfende Kynurensäure, die erregende Chinolinsäure und schließlich NAD+, wofür Vitamin B6 und B2 gebraucht werden. Darmbakterien bilden aus Tryptophan außerdem Indole, die über den Arylhydrocarbon-Rezeptor die Darmbarriere und Abwehrzellen beeinflussen.
Tryptophan niedrig – was passiert im Körper?
Ist wenig Tryptophan verfügbar, steht weniger Ausgangsstoff für Serotonin im Darm und im Gehirn und für Melatonin am Abend bereit. Bei Entzündungen ist das Absenken Teil der Abwehr: IDO entzieht Erregern Tryptophan und bremst zugleich überschießende T-Zellen – dabei fließt mehr Tryptophan in den Kynurenin-Weg und weniger in die Serotoninbildung. Auch Cortisol verlagert über TDO den Abbau in diese Richtung. Niedrige Werte kommen außerdem bei geringer Eiweißzufuhr und bei einer gestörten Aufnahme im Darm vor; in Studien wurden sie unter anderem bei depressiven Verstimmungen und bei einer Fruktose-Malabsorption beobachtet.
Tryptophan hoch – was bedeutet das?
Mehr Tryptophan im Blut bedeutet nicht automatisch mehr Serotonin, weil die Bildung vor allem von der Aktivität der Tryptophan-Hydroxylase begrenzt wird. Ein hoher Wert kann zeigen, dass der Abbau über den Kynurenin-Weg gerade wenig aktiv ist, etwa wenn keine Entzündung besteht. Der freie Anteil steigt, wenn Albumin niedrig ist oder freie Fettsäuren Tryptophan vom Albumin verdrängen – das geschieht bei langer körperlicher Belastung; dann gelangt mehr Tryptophan ins Gehirn, was in Studien mit einer zentralen Ermüdung in Verbindung gebracht wird.
Die Einordnung steht in deinem Befund.
Auch bekannt als: trp, 5-htp, ido
Zusammenhänge, in denen dieser Wert bestimmt wird
- Depression
- Schlafstörung
- Brain Fog
- Erschöpfung
- Angst
- Chronische Entzündung
Analysen, die diesen Wert enthalten
Diesen Wert im Biomarker-Nachschlagewerk nachlesen → Dort stehen Zusammenhänge und Kaskaden. Hier steht, in welcher Analyse der Wert enthalten ist.
Referenzbereiche und die Einordnung deines persönlichen Werts stehen in deinem Befund. Die Besprechung führst du mit einer Heilpraktikerin oder einer Ärztin aus dem ORY Experten-Netzwerk.
