Interleukin-6 (IL-6) und IL-6-Autoantikörper
Interleukin-6 (IL-6) ist ein Zytokin, also ein Botenstoff, mit dem sich Zellen des Immunsystems und viele andere Gewebe verständigen. Es wird von Fresszellen, Lymphozyten, Bindegewebszellen, Gefäßwänden und bei körperlicher Arbeit auch von der Muskulatur gebildet. Im Testkatalog wird nicht IL-6 selbst bestimmt, sondern Autoantikörper gegen IL-6 – im Serum, als Teil der Autoantikörper-Screens bei Long-/Post-COVID und chronischem Erschöpfungssyndrom. Solche Antikörper können die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs abschwächen. Um sie einzuordnen, hilft es zu verstehen, was IL-6 im Körper normalerweise auslöst.
Was IL-6 im Körper macht
IL-6 wirkt über einen Rezeptor, der zusammen mit dem Signaleiweiß gp130 die Botschaft ins Zellinnere weitergibt. In der Leber regt IL-6 die Bildung der Akute-Phase-Eiweiße an, darunter CRP, Fibrinogen und Hepcidin – Letzteres hält Eisen in den Speichern zurück und entzieht es Krankheitserregern. Im Gehirn löst IL-6 über Prostaglandine Fieber aus und beeinflusst Schlaf, Appetit und Antrieb. Es hilft B-Zellen, zu antikörperbildenden Plasmazellen zu reifen, und lenkt die Entwicklung bestimmter T-Zellen. Außerdem aktiviert es die Stressachse mit Ausschüttung von Cortisol. Aus der Muskulatur freigesetzt, wirkt IL-6 zudem auf den Zucker- und Fettstoffwechsel.
IL-6 hoch – was passiert im Körper?
Bei Infektionen, Verletzungen und Entzündungen steigt IL-6 innerhalb von Stunden an. Die Leber bildet dann mehr CRP, die Körpertemperatur steigt, und es entsteht das typische Krankheitsgefühl mit Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Rückzug. Bleibt IL-6 über lange Zeit erhöht, etwa bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen, wird Eisen dauerhaft zurückgehalten, was zu einer Blutarmut bei Entzündung führen kann; außerdem werden Muskelabbau und Veränderungen des Zuckerstoffwechsels begünstigt. In Studien wurden erhöhte IL-6-Spiegel bei anhaltenden Beschwerden nach COVID-19 und bei Erschöpfungszuständen beobachtet, die Befunde sind aber uneinheitlich. Sehr hohe Spiegel kommen bei schweren Verläufen mit überschießender Immunreaktion vor.
Autoantikörper gegen IL-6 – was passiert im Körper?
Autoantikörper gegen IL-6 binden an den Botenstoff und können ihn neutralisieren, sodass er seinen Rezeptor schlechter erreicht. Dann fällt die Antwort auf Infektionen schwächer aus: Die Leber bildet weniger CRP, Fieber bleibt geringer, obwohl eine Entzündung abläuft. In einzelnen Fallberichten wurden stark neutralisierende IL-6-Autoantikörper bei Menschen mit wiederkehrenden bakteriellen Haut- und Weichteilinfektionen beschrieben. Nach SARS-CoV-2-Infektionen wurden in Studien vermehrt Autoantikörper gegen verschiedene Botenstoffe und Rezeptoren beobachtet; welche Rolle sie bei Long-/Post-COVID und beim chronischen Erschöpfungssyndrom spielen, wird noch erforscht und ist umstritten. Niedrige oder fehlende Autoantikörper sind der Normalfall.
Die Einordnung steht in deinem Befund.
Auch bekannt als: il-6, interleukin-6, interleukin 6, il-6-autoantikörper, anti-il-6, bsf-2
Zusammenhänge, in denen dieser Wert bestimmt wird
- Anhaltende Erschöpfung
- Krankheitsgefühl
- Muskel- und Gliederschmerzen
- Beschwerden nach einer COVID-19-Erkrankung
Analysen, die diesen Wert enthalten
Für diesen Wert ist derzeit keine Analyse im Shop hinterlegt. Eine Heilpraktikerin oder ein Arzt aus dem ORY Experten-Netzwerk kann dir sagen, wie er sich sonst bestimmen lässt.
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