COMT-Genetik (Catechol-O-Methyltransferase)
COMT steht für Catechol-O-Methyltransferase, ein Enzym, das Botenstoffe wie Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin sowie bestimmte Abbauprodukte der Östrogene unwirksam macht. Untersucht wird das COMT-Gen auf eine häufige Variante, die die Arbeitsgeschwindigkeit des Enzyms verändert; in Studien steht vor allem die Variante Val158Met (rs4680) im Mittelpunkt. Welche Variante bestimmt wurde, steht im Befund. Probe ist EDTA-Blut; als genetische Untersuchung braucht es eine schriftliche Einwilligung. COMT ist Teil der Analyse „Depressions-Genetik“ zusammen mit TPH2, dem Serotonintransporter, dem Rezeptor 5-HT2A und MAO-A. Das Ergebnis bleibt lebenslang gleich.
Was COMT im Körper macht
COMT überträgt eine Methylgruppe von S-Adenosylmethionin (SAMe) auf Stoffe mit einer Catechol-Struktur. Dadurch werden Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin unwirksam und können weiter abgebaut und ausgeschieden werden; aus den 2- und 4-Hydroxyöstrogenen entstehen die weniger reaktiven Methoxyöstrogene. Das Enzym kommt in einer löslichen Form vor, vor allem in Leber, Nieren und Darm, und in einer membrangebundenen Form, die im Gehirn überwiegt. Im Stirnhirn (präfrontaler Kortex) gibt es nur wenige Dopamin-Transporter, die Dopamin in die Nervenzellen zurückholen – dort bestimmt COMT deshalb besonders stark mit, wie lange Dopamin wirkt. Als Cofaktor braucht das Enzym Magnesium; als Nebenprodukt entsteht S-Adenosylhomocystein, die Vorstufe von Homocystein.
Was bedeutet die Variante COMT Val158Met für den Stoffwechsel?
Bei Val158Met ist an Position 158 der membrangebundenen Form (Position 108 der löslichen Form) die Aminosäure Valin gegen Methionin ausgetauscht. Die Met-Form ist bei Körpertemperatur weniger stabil: In Laborstudien war die Enzymaktivität bei zwei Met-Kopien deutlich geringer als bei zwei Val-Kopien, Mischträger (Val/Met) lagen dazwischen. Weniger Aktivität bedeutet, dass Dopamin und Noradrenalin vor allem im Stirnhirn langsamer abgebaut werden und länger wirken können; bei Val/Val werden sie schneller inaktiviert. Auch die Methylierung der Catechol-Östrogene kann sich entsprechend verschieben. In europäischen Bevölkerungen sind beide Formen etwa gleich häufig, in ostasiatischen und afrikanischen Bevölkerungen ist die Met-Form seltener.
Was lässt sich aus dem COMT-Genotyp ablesen?
Zusammenhänge zwischen dem COMT-Genotyp und Stressverarbeitung, Schmerzempfinden, Gedächtnisleistung oder Stimmung wurden in vielen Studien untersucht. Die Ergebnisse sind uneinheitlich, die gefundenen Effekte meist klein, und viele Befunde ließen sich in großen Untersuchungen nicht bestätigen. Populäre Zuschreibungen wie „Krieger“ oder „Grübler“ sind deshalb nicht belegt. Der Genotyp beschreibt eine Eigenschaft des Enzyms – wie viel Dopamin oder Noradrenalin tatsächlich vorhanden ist, hängt zusätzlich von Bildung und Wiederaufnahme der Botenstoffe, von der Versorgung mit SAMe und Magnesium und von weiteren Genen ab. Die Botenstoffe selbst werden in den Neurotransmitter-Analysen gemessen.
Die Einordnung steht in deinem Befund.
Auch bekannt als: comt, catechol-o-methyltransferase, val158met, rs4680, comt-gen
Zusammenhänge, in denen dieser Wert bestimmt wird
- Anhaltende Niedergeschlagenheit
- Innere Unruhe
- Schlafstörungen
- Familiäre Vorbelastung
Analysen, die diesen Wert enthalten
Für diesen Wert ist derzeit keine Analyse im Shop hinterlegt. Eine Heilpraktikerin oder ein Arzt aus dem ORY Experten-Netzwerk kann dir sagen, wie er sich sonst bestimmen lässt.
Experten-Netzwerk ansehenReferenzbereiche und die Einordnung deines persönlichen Werts stehen in deinem Befund. Die Besprechung führst du mit einer Heilpraktikerin oder einer Ärztin aus dem ORY Experten-Netzwerk.
