Bakterielle urämische Toxine (Hippursäure, p-Cresol-Sulfat, Indol-3-Essigsäure)
Bakterielle urämische Toxine sind Stoffe, die Darmbakterien aus Bestandteilen der Nahrung bilden und die der Körper anschließend in Leber und Niere weiter umbaut. Ihren Namen tragen sie, weil sie sich bei eingeschränkter Nierenfunktion im Blut anreichern (Urämie). Gemessen werden sie im Urin: Hippursäure, HPHPA, Indol-3-Essigsäure, Indoxylsulfat, p-Cresol-Sulfat, Phenylacetylglutamin und Tryptamin. Indoxylsulfat ist auf der Seite zu Indikan näher beschrieben, TMAO auf einer eigenen Seite. In der Kapillarblut-Analyse Prevent 360 werden urämische Toxine ebenfalls erfasst.
Wie Darmbakterien urämische Toxine bilden
Gelangt Eiweiß unverdaut in den Dickdarm, zerlegen Bakterien die Aminosäuren. Aus Tyrosin und Phenylalanin entsteht p-Cresol, das die Darmschleimhaut und die Leber mit Schwefelsäure zu p-Cresol-Sulfat verbinden. Aus Phenylalanin bilden Bakterien Phenylessigsäure, die in Leber und Niere an Glutamin gekoppelt wird – es entsteht Phenylacetylglutamin. Aus Tryptophan entstehen Indol, Indol-3-Essigsäure und Tryptamin. Hippursäure geht vor allem auf Benzoesäure zurück, die Bakterien aus Polyphenolen in Obst, Tee und Kaffee freisetzen und die Leber mit Glycin verknüpft. HPHPA wird mit dem Stoffwechsel bestimmter Clostridien in Verbindung gebracht. Die Niere scheidet die meisten dieser Stoffe aktiv über Transporter in den Nierenkanälchen aus; im Blut sind viele von ihnen an Albumin gebunden.
Bakterielle urämische Toxine hoch – was passiert im Körper?
Hohe Werte von p-Cresol-Sulfat, Phenylacetylglutamin oder Indoxylsulfat zeigen eine verstärkte bakterielle Eiweißfäulnis. Das kommt bei eiweißreicher, ballaststoffarmer Kost vor, bei langer Verweildauer des Stuhls im Darm oder wenn mehr unverdautes Eiweiß den Dickdarm erreicht, etwa bei geringerer Enzymleistung der Bauchspeicheldrüse. In Zellversuchen fördern p-Cresol-Sulfat und Indoxylsulfat oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen in Gefäß- und Nierenzellen; für Phenylacetylglutamin wurde in Studien eine verstärkte Aktivierung von Blutplättchen beobachtet. Tryptamin regt über Serotoninrezeptoren im Dickdarm die Darmbewegung und die Flüssigkeitsabgabe an. Ein hoher Hippursäurewert spiegelt dagegen häufig eine polyphenolreiche Ernährung wider. Erhöhte HPHPA-Werte werden mit einer vermehrten Clostridien-Aktivität in Verbindung gebracht; ihre Bedeutung ist umstritten.
Bakterielle urämische Toxine niedrig – was bedeutet das?
Niedrige Werte der Fäulnisprodukte p-Cresol-Sulfat, Phenylacetylglutamin und Indoxylsulfat zeigen, dass im Dickdarm wenig Eiweiß bakteriell abgebaut wird – typisch für eine ballaststoffreiche Kost, bei der Bakterien vor allem Kohlenhydrate vergären. Niedrige Hippursäure kann auf eine geringe Zufuhr von Polyphenolen oder auf eine verringerte bakterielle Umsetzung hinweisen; in Studien wurde niedrige Hippursäure im Urin mit einer geringeren Vielfalt der Darmflora beobachtet, auch nach Antibiotika. Wenig Indol-3-Essigsäure und Tryptamin bedeutet, dass Bakterien wenig Tryptophan zu diesen Botenstoffen umsetzen. Gemeinsam mit Indikan, Skatol und der Mikrobiom-Analyse lässt sich einordnen, welche Stoffwechselwege der Darmflora überwiegen.
Die Einordnung steht in deinem Befund.
Auch bekannt als: bakt. urämische toxine, bakterielle urämische metabolite, hippursäure, hphpa, indol-3-essigsäure, p-cresol-sulfat, phenylacetylglutamin, tryptamin
Zusammenhänge, in denen dieser Wert bestimmt wird
- Übelriechende Winde
- Blähungen
- Verstopfung
- Eiweißreiche Ernährung
- Erschöpfung
Analysen, die diesen Wert enthalten
Referenzbereiche und die Einordnung deines persönlichen Werts stehen in deinem Befund. Die Besprechung führst du mit einer Heilpraktikerin oder einer Ärztin aus dem ORY Experten-Netzwerk.
