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Fachlich geprüft von Yesha Karmeli, Heilpraktiker und Gründer von ORY · Stand 16.10.2026

Ein langes Wochenende, ein Fest, ein paar Gläser Wein zu viel. Am Abend danach greifst du zur Tasse Lebertee. Der Gedanke dahinter: Jetzt tue ich meiner Leber etwas Gutes. Aber stimmt das?

Lebertee ist beliebt, und der Name weckt Erwartungen. Dieser Artikel zeigt, was in solchen Mischungen steckt, was Studien zu den einzelnen Pflanzen wirklich sagen, wann Vorsicht angebracht ist und was der Leber nachweislich guttut.

Auf einen Blick

  • Worum es geht: Nach einem üppigen Wochenende greifst du abends zum Lebertee. Was steckt in der Tasse, und was kann sie wirklich?
  • Mögliche Ursachen: Belastet wird die Leber vor allem durch Alkohol, Übergewicht mit Fettleber, wenig Bewegung und manche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel.
  • Was du tun kannst: Lebertee als Genuss trinken, ohne Wirkung zu erwarten. Alkohol reduzieren, Gewicht und Bewegung in den Blick nehmen, Warnzeichen ärztlich abklären.
  • Was sich messen lässt: Die Leberwerte GPT, GGT und AP im Blut, zusammen mit Blutfetten und dem Entzündungswert hs-CRP.

Tasse Kräutertee mit Glaskanne am Abend auf einem Holztisch

Was die Leber jeden Tag leistet

Die Leber ist so etwas wie die Stoffwechselzentrale des Körpers. Sie verarbeitet Nährstoffe aus dem Darm, speichert Zucker als Reserve und bildet wichtige Eiweiße. Sie baut Stoffe wie Alkohol oder Medikamente so um, dass der Körper sie über Galle oder Urin ausscheiden kann. Und sie bildet Galle, die im Darm bei der Verdauung von Fett gebraucht wird.

Diese Arbeit läuft rund um die Uhr, ganz ohne Tee. Belastet wird die Leber vor allem durch Alkohol, durch Übergewicht mit Fetteinlagerung in der Leber und manchmal durch Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel. Was ihr guttut, sind Veränderungen im Alltag, dazu weiter unten mehr.

Was im Lebertee steckt

„Lebertee“ ist kein geschützter Begriff, sondern ein traditioneller Name für Kräutermischungen. Typische Zutaten sind:

  • Mariendistel: meist die Samen. Sie enthalten ein Gemisch von Pflanzenstoffen namens Silymarin.
  • Löwenzahn: Blätter oder Wurzel, mit leicht bitterem Geschmack.
  • Artischocke: die Blätter, ebenfalls bitter.
  • Pfefferminze: sorgt für Frische im Geschmack.
  • Kamille, Schafgarbe und Wermut: klassische Kräuter in Verdauungstees, Wermut mit deutlich bitterer Note.

Viele dieser Pflanzen enthalten Bitterstoffe und werden seit Langem in Tees genutzt, die nach dem Essen getrunken werden. Diese Tradition sagt etwas über Gewohnheiten, aber noch nichts über eine Wirkung auf die Leber.

Lebertee Wirkung: Was Studien zu den einzelnen Pflanzen sagen

Mariendistel ist am besten untersucht. Eine Cochrane-Übersicht wertete 18 Studien mit 1.088 Menschen mit alkoholbedingten Lebererkrankungen oder Hepatitis B oder C aus. Mariendistel veränderte weder die Sterblichkeit noch Komplikationen der Lebererkrankung oder das Lebergewebe; die Qualität der meisten Studien war niedrig (PubMed 17943794). Eine weitere Metaanalyse fand bei Menschen mit Lebererkrankungen eine minimale Senkung der Leberwerte GPT und GOT, die klinisch nicht bedeutsam war; der Wert GGT änderte sich nicht (PubMed 28785154).

Wichtig: In diesen Studien wurden Extrakte in Kapselform untersucht, keine Tees. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf eine Tasse Tee übertragen.

Löwenzahn wird seit Langem bei Verdauungs- und Leberbeschwerden verwendet. Eine Übersichtsarbeit stellt fest, dass dieser Gebrauch vor allem auf Erfahrung beruht und Untersuchungen am Menschen noch fehlen (PubMed 16950583). Für die übrigen Kräuter in solchen Mischungen haben wir keine aussagekräftigen Studien am Menschen zur Leber gefunden.

Ist Lebertee also gesund? Als ungesüßter Kräutertee ist er ein angenehmes, warmes Getränk. Eine Wirkung auf die Leber ist nicht belegt, und für Kräutertees gibt es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen zur Leber.

Getrocknete Kräuter wie Mariendistelsamen, Löwenzahn, Kamille und Pfefferminze auf einem Holzbrett

Lebertee abends trinken: Genuss und Ritual

Was ein Lebertee leisten kann, ist vor allem ein Moment der Ruhe. Eine warme Tasse am Abend, der kräftig-bittere Geschmack, das bewusste Hinsetzen. Für manche ist das ein guter Ersatz für das Glas Wein zum Feierabend, und das ist für die Leber tatsächlich ein Unterschied.

Wer es ausprobieren möchte: Der ORY Lebertee ist eine Kräuterteemischung aus biologischem Anbau mit Mariendistelsamen, Löwenzahnblättern, Kamillenblüten, Schafgarbenkraut, Pfefferminzblättern und Wermutkraut. Zubereitung: 1–2 Teelöffel pro Tasse mit Wasser von etwa 80 °C übergießen und 5–8 Minuten ziehen lassen. Er ist ein Genussmittel, kein Arzneimittel.

Vorsicht: Auch Pflanzen können der Leber schaden

„Pflanzlich“ heißt nicht automatisch harmlos. In US-Forschungsdaten gehen etwa 20 Prozent der erfassten Fälle von Leberschäden durch Medikamente und andere Mittel auf pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel zurück. Meist waren es konzentrierte Präparate mit vielen Zutaten oder Extrakte wie Grüntee-Extrakt (PubMed 27677775). Eine Tasse Kräutertee ist damit nicht vergleichbar, ein hoch dosierter Extrakt aber schon eher.

Mariendistel-Extrakt gilt in Studien als gut verträglich; beschrieben sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall. Bei Medikamenten mit enger Dosierungsspanne raten Fachleute zur Vorsicht (PubMed 31069872).

  • Allergie: Mariendistel und Löwenzahn gehören zu den Korbblütlern (PubMed 31069872) (PubMed 16950583), ebenso Kamille, Schafgarbe und Wermut. Wer auf Korbblütler allergisch reagiert, fragt vorher in der Apotheke oder ärztlich nach.
  • Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder: Kräutermischungen vorher ärztlich oder in der Apotheke besprechen.
  • Medikamente: Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag nach möglichen Wechselwirkungen, bevor du Extrakte einnimmst. Setze ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Was der Leber nachweislich guttut

Eine häufige Form der Lebererkrankung ist die Fettleber, die mit Übergewicht, Diabetes und erhöhten Blutfetten zusammenhängt. Die europäische Leitlinie rät hier zu einer Veränderung des Lebensstils: Gewicht abnehmen, die Ernährung umstellen, sich mehr bewegen und auf Alkohol möglichst verzichten (PubMed 38851997).

Wie viel das ausmachen kann, zeigt eine Studie mit Menschen mit entzündlicher Fettleber: Je mehr Gewicht sie über ein Jahr durch Veränderungen im Alltag verloren, desto stärker besserte sich das Lebergewebe. Am deutlichsten war das ab etwa zehn Prozent Gewichtsverlust (PubMed 25865049).

  • Weniger Alkohol, mit alkoholfreien Tagen in der Woche.
  • Bewegung, die in den Alltag passt: zügig gehen, Rad fahren, Treppen.
  • Wenig Zuckergetränke und stark verarbeitete Lebensmittel.
  • Keine Nahrungsergänzungsmittel auf Verdacht, vor allem keine hoch dosierten Extrakte ohne Rücksprache.

Warnzeichen: Wann du ärztlich abklären solltest

  • Gelbliche Haut oder gelbliches Weiß im Auge
  • Dunkler Urin oder sehr heller Stuhl
  • Schmerzen oder Druck im rechten Oberbauch
  • Starker Juckreiz ohne erkennbaren Grund
  • Ungewohnte, anhaltende Müdigkeit, Übelkeit oder Appetitlosigkeit

Treten solche Zeichen nach Beginn eines pflanzlichen Mittels oder eines neuen Medikaments auf, sprich bitte zeitnah mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Messen statt raten: Leberwerte prüfen

Wie es der Leber geht, lässt sich nicht erschmecken, aber teilweise messen. Der OM Vital Bluttest enthält die Leberwerte GPT, GGT und AP, dazu Blutfette, das hochempfindliche CRP, Ferritin und mehrere Vitamine. GPT ist ein Enzym aus den Leberzellen, GGT reagiert unter anderem auf Alkohol, AP gibt Hinweise auf die Gallenwege.

Die Werte sind Bausteine für ein Gespräch, keine Diagnose. Eine Fettleber zeigt sich zum Beispiel nicht immer in den Blutwerten. Bei der Einordnung unterstützt dich das ORY-Expertenteam oder deine Ärztin, dein Arzt.

Kurz zusammengefasst

  • Die Leber verarbeitet Nährstoffe und baut Stoffe so um, dass sie ausgeschieden werden können. Dafür braucht sie keinen Tee.
  • Lebertee enthält meist Bitterkräuter wie Mariendistel, Löwenzahn, Artischocke, Pfefferminze oder Wermut.
  • Für Mariendistel-Extrakte zeigen Übersichtsarbeiten keinen sicheren Nutzen; für Tee gibt es keine Belege zur Leber.
  • Pflanzliche Extrakte können selten die Leber belasten oder mit Medikamenten zusammenwirken.
  • Nachweislich wichtig sind weniger Alkohol, ein gesundes Gewicht und Bewegung.

Person fährt am Morgen mit dem Fahrrad einen Weg entlang

Häufige Fragen

Welche Wirkung hat Lebertee?

Für Lebertee ist keine Wirkung auf die Leber belegt. Selbst für konzentrierte Mariendistel-Extrakte fand eine Cochrane-Übersicht keinen sicheren Nutzen bei Lebererkrankungen (PubMed 17943794). Lebertee ist ein Kräutertee zum Genießen.

Ist Lebertee gesund?

Ungesüßt ist Lebertee ein praktisch kalorienfreies, warmes Getränk und kann ein Glas Wein am Abend ersetzen. Eine schützende Wirkung auf die Leber darf man von ihm nicht erwarten.

Kann man Lebertee abends trinken?

Ja, Kräutertee ohne Schwarz- oder Grüntee enthält in der Regel kein Koffein. Viele genießen ihn als ruhiges Abendritual. Wer auf Korbblütler allergisch ist, fragt vorher nach.

Was ist ein Gallen- und Lebertee?

Unter diesem Namen werden Kräutermischungen angeboten, die meist ähnliche Bitterkräuter enthalten wie Lebertee, etwa Löwenzahn, Pfefferminze oder Schafgarbe. Was genau drin ist, verrät die Zutatenliste. Eine Wirkung auf Galle oder Leber ist auch für diese Mischungen nicht belegt.

Welcher Tee ist gut für eine gesunde Leber?

Ein Tee mit belegter Wirkung auf die Leber ist uns nicht bekannt. Für eine gesunde Leber zählen vor allem weniger Alkohol, ein gesundes Gewicht und Bewegung (PubMed 38851997). Ungesüßter Tee kann dabei ein angenehmer Begleiter sein.

Wie kann ich meine Leberwerte prüfen lassen?

Die Leberwerte GPT, GGT und AP werden im Blut bestimmt, zum Beispiel in der Arztpraxis oder mit einem Bluttest für zu Hause. Auffällige Werte gehören immer in ein ärztliches Gespräch.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Er dient der allgemeinen Information. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.

Quellen

  1. Rambaldi A et al. Milk thistle for alcoholic and/or hepatitis B or C virus liver diseases. Cochrane Database Syst Rev. 2007. PubMed 17943794
  2. de Avelar CR et al. Effect of silymarin on biochemical indicators in patients with liver disease: Systematic review with meta-analysis. World J Gastroenterol. 2017. PubMed 28785154
  3. Schuetz K et al. Taraxacum – a review on its phytochemical and pharmacological profile. J Ethnopharmacol. 2006. PubMed 16950583
  4. Navarro VJ et al. Liver injury from herbal and dietary supplements. Hepatology. 2017. PubMed 27677775
  5. Soleimani V et al. Safety and toxicity of silymarin, the major constituent of milk thistle extract: An updated review. Phytother Res. 2019. PubMed 31069872
  6. EASL, EASD, EASO. Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). J Hepatol. 2024. PubMed 38851997
  7. Vilar-Gomez E et al. Weight Loss Through Lifestyle Modification Significantly Reduces Features of Nonalcoholic Steatohepatitis. Gastroenterology. 2015. PubMed 25865049